Im folgenden Text geht es ums Suchen und um ein Back-Rezept. Vor mindestens 12 Jahren fand ich in der ‘Chronik von Osterholz-Scharmbeck Band I’ den folgenden Text einer Anzeige von 1846 aus einer Bäckerei, früher war dort die ‘Alte Apotheke’: “Der Bäckermeister Saltzsieder ist weit über Scharmbeck hinaus bekannt für Zwieback, Kaffeebrot, Stuten und Maulschellen!“ Die ersten drei Gebäcke kennen wir natürlich, aber MAULSCHELLEN? Im Schwäbischen bedeutet das Wort Ohrfeigen, aber ein Kuchen, der so heißt? Natürlich suchte ich in meinen Koch- und Backbüchern (ich besitze viiieeele) – und? NICHTS! Ich nutzte, klar, das Internet, fand aber nur wenig: einige Fotos aus Sachsen (Stollenmaulschellen) und Franken (Brötchen aus Hefeteig mit Marmelade). Das war allerdings noch vor der KI-Zeit, heute ist ein klein wenig mehr vorhanden. Ob so auch die Maulschellen des Bäckermeisters aus Scharmbeck gebacken wurden, wußte ich natürlich nicht. Darum suchte ich nach seiner Familie – mit Erfolg! Leider kannte auch sie kein Rezept. Die Nachfahren wußten jedoch, das die Salzsieders früher im Osnabrücker Land lebten. Also stand im Anschluß an eine meiner Lesungen dort die Suche in der Osnabrücker Zeitung. Jedoch ohne Erfolg. Auch hier hatte ich den Weg über unsere regionalen Zeitungen versucht. Und natürlich war die Suche bei jeder meiner Lesungen kurz eines der Themen. Ich erhielt anschließend Antworten, die leider immer gleich waren, da sie aus dem Internet stammten. Trotzdem bedanke ich mich natürlich bei allen, die sich bemühten. Ich versuchte über Brot- und Kuchen-Museen, über Bäcker- und Konditoren-Innungen mein Glück, ebenfalls ohne Erfolg. Ich gab die Suche über die Jahre jedoch nie auf! Durch Bibliotheken und das Bremer Staatsarchiv erhielt ich im Laufe der 12(!) Jahre immer mal wieder Adressen von Homepages mit sehr alten, auch digitalisierten, Backbüchern. (Alle nutzte ich übrigens auch bei der Suche nach dem Gebäck Ypsilanti.) Kürzlich nun erhielt ich als Geschenk für das Heimatmuseum Lilienthal ein kleines Backbuch: “Neues Rezept-Buch für Konditoreiwaren von Clemens Beyrich“. Und – ichfand darin tatsächlich ein Maulschellen-Rezept!!! Selbstverständlich teile ich es mit Ihnen. Auf dem Foto sehen Sie – diese Maulschellen sind aus Plunderteig. Ob allerdings der Scharmbecker Bäckermeister Saltzsieder dieses Rezept nutzte, werde ich vermutlich nie erfahren.

